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Dinner bei Kerzenschein

Seit drei Jahren war ich nun mehr oder weniger Single, bis mir vor zwei Wochen, morgens im Zug zur Arbeit, dieser sympathische Mittdreißiger begegnet war. Er hatte mich nach der Uhrzeit gefragt und zwanzig Minuten später, als ich an meinem Zielbahnhof ausstieg, freute ich mich auf unsere erste Verabredung für den kommenden Abend. Dieses Date sollte nicht unser Letztes sein und so war für heute das erste Treffen bei mir zu Hause geplant.

 

Auch wenn ich keine tolle Köchin bin, meine "Spaghetti alla Bolo" und der wirklich teure Rotwein, den ich mir geleistet hatte, würden mir zu meinem Glück schon verhelfen. Aber für den perfekten romantischen Abend hatte ich natürlich vergessen Kerzen zu besorgen. Vielleicht konnte meine Nachbarin mir aushelfen, doch auch sie hatte keine Kerzen. Zu gefährlich wegen der Brandgefahr, erklärte sie mir. Dafür empfahl sie mir die hellste Taschenlampe, die sie habe. Da ich einen romantischen Abend anstrebte und nicht einen Angreifer abwehren wollte, lehnte ich das Angebot dankbar ab. Dann müsste halt der mickrige Rest einer Duftkerze für ein stimmungsvolles Ambiente sorgen.

 

Das Ertönen meiner Hausklingel wurde durch ein Donnergrollen begleitet, ein Gewitter kündigte sich an, hoffentlich war das kein schlechtes Vorzeichen.

Leise Musik im Hintergrund, die Rotweingläser bis zum Anschlag gefüllt und ein charmantes Lächeln meines Gegenübers - alles schien perfekt, bis wir auf einmal komplett im dunklen saßen. Das Einzige was die Wohnung noch schwach erhellte, war die Flamme der Duftkerze. Doch die drohte jeden Moment auszugehen. So tastete ich mich durch meine Wohnung, immer dicht hinter mir der Mann meines Herzen. Nach dem nächsten Donnergrollen war seine Schlussfolgerung, eindeutig ein Blitzschlag, er wollte wissen, wo sich der Sicherungskasten befand.

Natürlich war der Sicherungskasten wie die meisten seiner Art im Keller, aber der Weg bis dahin war dunkel und voller Stolperfallen. Sollte ich denn so schnell den vermeintlichen Märchenprinzen wieder durch einen Sturz von der Kellertreppe verlieren. Nein, zwar hatte ich keine Kerzen, dafür aber eine Taschenlampe, die uns den Weg durch den Flur zum Keller ausleuchtete. Bevor ich den Hebel der rausgesprungenen Sicherung hochklappte und es wieder Licht wurde, hatte mein Begleiter die Situation schamlos ausgenutzt. Unser erster Kuss, der bei Weitem nicht der Letzte bleiben sollte. Denn wenn ich jetzt 15 Jahre später, mal wieder zu meinem Hochzeitstag eine Taschenlampe geschenkt bekomme, ist das nach wie vor die schönste Überraschung, die mein Mann mir machen kann.